„Für Dienstboten, Gesellen und Lehrlinge. – Die Gründung der Sparkasse Elberfeld 1822“

Wieder einer dieser Abende in der Politischen Runde, in der kräftig am kollektiven Geschichtsbewusstsein der Stadt gearbeitet wurde. Prof. Volkmar Wittmütz, emeritierter Professor für Geschichte an der Bergischen Universität, „erzählte“ im Rahmen der Döppersberg-Reihe „Moderne trifft Geschichte“  diesselbe von der  steinwurfnahen städtischen Sparkasse und erntete andächtiges Staunen. Er referierte über die Gründung des Wuppertaler Geldinstitutes als eines der ersten in Preußen, entstanden aus der finanziellen Schieflage des damaligen örtlichen Pfandhauses, um die Stadtkasse des damals 25.000 Einwohner zählenden Elberfelds zu sanieren. Private Banken gab es dort schon seit dem 18. Jahrhundert (von der Heydt, Kersten & Söhne, Wichelhaus-Bank). Dummerweise war die Stadt Elberfeld aber Anfang des 19. Jahrhunderts beim kirchlichen Armenfonds beträchtlich verschuldet gewesen und hatte folglich erhöhten Finanzbedarf. Wohlgemerkt: wir schreiben das Jahr 1822!! Das brachte die örtlichen Honoratioren der Zeit auf die zündende Idee, eine kommunale Sparkasse zu gründen, die neben dem persönlich agierenden Bürgermeister und ein paar Ehrenamtlern gerade mal einen festen Angestellten aufweisen konnte. Der Zinssatz für die „Spargroschen“ der Dienstboten, Angestellten und manchmal auch Lehrlinge  lag damals bei immerhin 4% (paradiesisch gemessen an heutigen Verhältnissen!). Das Dilemma: die Wuppertaler hatten leider kaum Erspartes und wenn, dann nur unter dem Kopfkissen. Am ersten Tag der Gründung lagen dennoch bereits 1100 Taler in der Kasse, nach dem ersten Jahr geradezu atemberaubende 33.000 Taler. Damit hatte das neue kommunale Geldinstitut einen seinerzeit beachtlichen Überschuss „erwirtschaftet“. Aber wohin damit? Anlage gesucht! Und schließlich gefunden. Die Elberfelder Sparkasse kaufte preußische Staatsschuldscheine bei der Herstatt-Bank zu 75% auf. Ein durchaus geschickter Schachzug, der aber dennoch nicht davon ablenken konnte, dass das Pionier-Projekt Sparkasse zunächst keine Erfolgsgeschichte schrieb. Die Rendite lag nämlich bei kümmerlichen 0,5%. Der Erfolg ließ also auf sich  warten und stellte sich erst allmählich ein, auch und gerade zum Wohle der „Stadt“.  Diese hat die Sparkasse in den Folgejahren nämlich immer dann in Anspruch genommen, wenn sie selbst in Liquitditätsnöten war. Und das geschah nicht selten. Die Stadt stand damals im zweifelhaften Ruf, recht großzügig mit ihren steuersäumigen Großbürgern umzugehen. Kein Wunder: saßen diese doch selbst im Rat der Stadt und bedienten sich kompensatorisch und regelmäßig bei der Sparkasse. Ein ebenso trickreiches wie erfolgreiches Konzept, was gelegentlich zu Ermahnungen seitens der Bezirksregierung in Düsseldorf führte, ansonsten aber reibungslos funktionierte. Das Kreditgeschäft gegenüber den „kleinen Leuten“ dagegen spielte zunächst eine untergeordnete Rolle und wurde erst später „entdeckt“. Immerhin. 

Festzuhalten bleibt:

1. Die frühe Gründung der Elberfelder Sparkasse war ein erheblicher Modernisierungsschub in der frühindustriellen Gesellschaft (Mentalitätswandel, Kultur des Sparens)
2. Pionier-Sparkassen wurden zu volkswirtschaftlich sinnvollen „Sammelstellen“ der Wiedereinführung von Kapital in den Finanzkreislauf. 3. Sie hatten eine wichtige Säkularisierungsfunktion gegenüber den Kirchen.

Die Frühgeschichte der Sparkasse Elberfeld – ein weiteres interessantes Kapitel also aus der Geschichte der Modernisierung im 19. Jahrhundert. Spannend „erzählt“ in der Politischen Runde.