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2020-2

Schranken der Natur.

Umwelt- und Naturverständnis
im 19. Jahrhundert

Vor mehr als hundert Jahren erklärte der Ökonom Werner Sombart das zentrale Grundprinzip der Moderne: Dies sei nicht die Beherrschung oder die Unterwerfung der lebendigen Natur, sondern die  Emanzipation von ihren Schranken. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts herrschte nämlich die biblische Vorstellung, dass der Mensch sich die Erde untertan machen sollte. Bis zu Industrialisierung waren diese Schranken allerdings nahezu überall spürbar und allgegenwärtig. Das hatte Konsequenzen. Der Umwelthistoriker Franz Brüggemeier zeichnet das Bild einer damals nachhaltig wirtschaftenden Gesellschaft vor 1800, deren Erfolg in direkter Abhängigkeit von der Natur steht. Für die Zeit nach der Jahrhundertwende stellt er einen fundamentalen Umbruch fest: Durch die Intensivierung der Landwirtschaft und den Einsatz von Düngern verbesserte sich schlagartig die Versorgungslage. Was war die Ursache für den Bruch zwischen einer organischen und hin zur industrialisierten Gesellschaft? Brüggemeier nennt insbesondere die Dampfkraft und den Ausbau des Eisenbahnnetzes, der die menschliche Vorstellung von Raum und Zeit künftig fundamental veränderte. Zeitgleich entstand mit der Chemie ein zukunftsweisender Industriezweig, der neue Handlungsmöglichkeiten eröffnet und zugleich erstmals und zwangsläufig ein Umweltbewusstsein entstehen ließ, das auch Friedrich Engels beeinflusste.

Prof. Franz Brüggemeier (Essen)

Franz Brüggemeier ist promovierter Mediziner und Historiker und war seit 1998 Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Freiburg. Er veröffentlichte zahlreiche Schriften zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, zuletzt mit den Schwerpunkten Geschichte der Umwelt und Großbritannien im 20. Jahrhundert. Einem breiteren Publikum bekannt geworden ist Franz Brüggemeier durch die Mitgestaltung von großen Ausstellungen wie Das Zeitalter der Kohle. Eine europäische Geschichte, 1750 bis heute‘, 2018 im Ruhrmuseum in Essen, Feuer und Flamme. 200 Jahre Ruhrgebiet 1994/95 oder Der Ball ist rund. Die Fußballausstellung 2000, beide im Gasometer Oberhausen. Zuletzt erschien sein vieldiskutiertes Buch Grubengold. Eine europäische Geschichte der Kohle.

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Moderation: Stefan Seitz

Zeit: Montag, 9. November 2020. 19:30 Uhr
Ort: Videokonferenz. Den Link finden Sie auf der Startseite.
Der Eintritt ist frei. Es gilt das Prinzip “Pay what you like.”
(Zahle, was Du magst.)